Willkommen beim TV Glarus alte Sektion

Ein Märchen wird wahr

30 Jahre nach dem letzten Schweizer Meistertitel gewinnt der TV Glarus alte Sektion an den Schweizer Vereinsmeisterschaften erneut Gold.

(sr) Es ist Sonntag, 4. September 2022, kurz vor 17 Uhr. In der Bossard-Arena in Zug wird es laut im Glarner Sektor. Der Stadionspeaker ruft in der Disziplin Schaukelringe zwei Schweizer Meister aus. Sowohl Glarus als auch Wettingen haben sich die ­Note 9,85 erturnt. Die Freude und die ­Erleichterung ist beim TV Glarus ­unendlich gross. Alle ­liegen sich in den Armen. Es fliessen Tränen der Freude. Für das junge Glarner Team ist es die Belohnung für die unzäh­ligen Trainings, Rückschläge, Erfolge und die vielen (hohen) Hürden.

 

Dem Druck standgehalten

 

Der TV Glarus war am Samstag um 16.49 Uhr als letzter Verein in der Vorrunde zu seinem Programm an den Schaukelringen gestartet. Die Aufgabe war nicht einfach. Die Vereine zuvor hatten schon abgeliefert und sieben sich eine Note über 9,50 erturnt. Somit war klar, dass beim TV Glarus jeder und jede Einzelne alles geben musste, um mindestens die Note 9,57 zu erturnen. Das war die Marke für den Finaleinzug der besten vier Equipen für den Auftritt am Sonntag.Die Glarner hielten dem Druck stand. Es gelang ihnen eine (fast) perfekte Vorführung, und sie vermochten auch das Publikum und die Wertungsrichter zu überzeugen. Mit der Note 9,80 erzielten die Glarner die höchste Note in der Vorrunde. Das war für ­alle eine ganz neue Situation. Als Favorit in einen Schweizer Meisterschaftsfinal zu starten, waren sie sich nicht gewohnt. In den letzten zehn Jahren wurde die Disziplin Schaukelringe von den Überfliegern des TV Wettingen und des BTV Luzern dominiert. Die anderen Vereine befanden sich lediglich im Kampf um den letzten Podestplatz. Nun kam für die Glarner die grosse Chance, diese Hierarchie auf den Kopf zu stellen.

 

Beinahe makelloser Finaldurchgang

 

Am Sonntag, am Finaltag, war für die Glarner früh Tagwache. Um 7.30 Uhr wurde bereits aufgewärmt, gedehnt, die Blessuren vom Samstag so gut wie möglich versorgt, um schon bald im grossen Final zu turnen. Der TV Glarus startete um 9.32 Uhr als dritter Verein an den Schaukelringen. Zahlreiche Glarner Fans waren am frühen Sonntagmorgen erneut nach Zug gereist, um ihren Verein auf der Tribüne lautstark zu unterstützen. Enttäuscht wurden sie keinesfalls. Dem TV Glarus gelang zum zweiten Mal ein beinahe ­makelloser Durchgang. Die Freude war riesig. Nachdem in den vergangenen Jahren in den Finals immer ein bisschen zu viel Nervosität und Druck auf das Team gewirkt hatte und dadurch kleine Fehler provoziert worden waren, schafften es die Glarner diesmal, das ganze Können abzurufen. Auch ­Nico Marti, Oberturner und Präsident des TV Glarus, zeigte sich sehr zufrieden: «Wir sind erleichtert, dass wir unsere Leistung am Tag X abrufen konnten. In einem Final sind es die kleinen Sachen, die über den Titel und den vierten Platz entscheiden.» 

 

Der Traum vom Podest

 

Die 17 Glarner Turnerinnen und Turner verliessen nach der finalen Vorstellung zufrieden den Wettkampfplatz. An einen Titelgewinn mochte aber noch niemand glauben. Dies deshalb, weil der Konkurrenz ebenfalls fehlerfreie Vorführungen gelangen. Das erklärte Ziel, auf dem Podest zu stehen, war für die Glarner auf jeden Fall aber greifbar. Das grosse Warten und Bangen begann. Nach rund sieben Stunden kam schliesslich die grosse und freudige Erlösung für die Glarner: Nach 30 Jahren sind sie wieder ­Schweizer Meister an den Schaukel­ringen geworden.

 

Ein Stüssi-Turn-Märchen

 

Die grösste Geschichte vom vergangenen Wochenende schrieb wohl Dani Stüssi. Der dienstälteste Turner beim TV Glarus war schon beim letzten Titel der Glarner vor 30  Jahren dabei gewesen. Damals war es sein neunter Schweizer Meistertitel, den er zusammen mit seinem Vater Ernst holte. Am Sonntag konnte Dani nun zusammen mit seinen zwei Söhnen Fadri und Noah seinen zehnten Titel entgegennehmen. Gefeiert wurde der Schweizer Meistertitel am Sonntagabend auch im Buchholz in Glarus bei einem fest­lichen Empfang. Auch das war für alle ein grosses Erlebnis.